Sport aus Berlin

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Jubelnde Union-Fans

Dem ehrwürdigen Denkmal des Hauptmanns von Köpenick hatte ein Unbekannter schon in der Nacht des großen Erfolges den rot-weißen Fan-Schal umgebunden; den Boots-Corso der Fußballprofis auf der Spree begleiteten zwei Tage danach Dutzende Kähne und sogar Berlins Bürgermeister Michael Müller hatte sich beim Empfang für die Mannschaft am gleichen Tag als Anhänger des 1. FC Union verkleidet: Der Stadt-umfassende Jubel nach dem Aufstieg des einstigen Arbeitervereins in die Fußball-Bundesliga kannte in den letzten Mai-Tagen kein Halten. Erstmals seit 42 Jahren spielen zwei Berliner Vereine in der Beletage des deutschen Fußballs, die Mitte der 90er Jahre als einzige europäische Metropole ohne Erstligisten Häme erntete.

„Das ist ein Wahnsinns-Gefühl. Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, gestand Vereinspräsident Dirk Zingler, der als Kind an der Hand seines Vaters zu den Oberliga-Punktspielen in die Fankurve marschierte. Die zielstrebige, aber unaufgeregte Regentschaft des Berliner Unternehmers hievte den Club mit den ganz besonderen Fans aus dem Auf und Ab zwischen den Ligen 2 und 4 bis in das Oberhaus des nationalen Fußballs. Da war der Verein schon einmal. Allerdings gibt es dafür kaum noch Zeitzeugen. Am 10. Juni 1923 verloren die Köpenicker, damals noch in den Traditionsfarben Blau-Weiß, das Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft im Berliner Grunewaldstadion gegen den Hamburger SV mit 0:3. Paradox: Nun sind sie wieder ganz oben angelangt, der damalige Gegner HSV kraucht als Gründungsmitglied der Bundesliga weiter durch die Zweitklassigkeit.

Der 1. FC Union, der 2001 mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinales (0:2 gegen Schalke 04) aufhorchen ließ, stellt sich nun vom Kampf um den Aufstieg auf den Kampf gegen den Abstieg um. „Es kann für uns gar kein anderes Ziel als den Klassenerhalt geben“, konstatierte der Schweizer Erfolgstrainer Urs Fischer. Selbst wenn das nicht gelingen sollte, werden die treuesten Fans der Liga, die das derzeitige Stadion praktisch in Eigeninitiative modernisiert hatten, ihre Lieblinge nicht verteufeln. „Wenn die Jungs wie immer alles geben und noch die beiden Ortsderbys gegen Hertha BSC gewinnen, dann ist es eben so“, zuckte noch in der Jubelnacht zum 28. Mai ein ganz in Rot-Weiß gekleideter Anhänger die Schultern. Denn der Ver-ein will trotz des Schnupperns an der Höhenluft dem ausufernden Liga-Kommerz trotzen. „Wir heben die Preise für die Dauerkarten nicht an“, verkündete Präsident Zingler das Festhalten an der Untergrenze von 153 Euro für 17 Liga-Heimspiele. Problem dabei: Dem Stadion mit seinen 22 012 Plätzen, darunter nur 3 617 Sitzplätze, standen schon in Liga 2 mehr als 23 000 Vereinsmitglieder entgegen, weitere 5 000 meldeten sich gleich nach dem Aufstieg in der Geschäftsstelle an.

 

Nervenstarke Volleys

Spannend wie die Unioner, die den Erstligisten VfB Stuttgart beim 2:2 und anschließenden 0:0 nur wegen der mehr geschossenen Auswärtstore aus der Relegation schubsten, machten es die Berliner Volleyballer im Kampf um die Meisterschaft. In den Playoff-Finales standen die in der Punktspielzeit nicht immer überzeugenden Recycling-Riesen nach zwei Niederlagen in der auf drei Siege angelegten Runde gegen den Dauerrivalen VfB Friedrichshafen mit dem Rücken zur Wand. Doch die gab der Mannschaft Halt. Der Titelverteidiger gewann das letzte Heimspiel zum 2:2-Ausgleich und setzte sich in der Entscheidung am Bodensee in der Verlängerung des fünften Satzes nervenstark mit 16:14 durch. „Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Wir spielen jetzt zum achten Mal hintereinander in der Champions League und wollen dort eine gute Figur abgeben, auf alle Fälle die Gruppenphase überstehen“, blickte Manager Kaweh Niroomand nicht nur auf die erfolgreiche Saison zurück, die zehnte im Volleyballtempel Max-Schmeling-Halle. Gleichzeitig schlug Berlins „Mister Volleyball“ die ersten Pflöcke ein für die Zukunft, die wie im Vorjahr am 3. November gleich das Pokal-Duell mit dem Fast-Ortsrivalen Netzhoppers KW in der Land-Kostarena von Bestensee bringt.

 

Hans-Christian Moritz

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