Berlin lässt einen so wie man ist

Foto: Ina Hegenberger

Sophie Berner hat drei Leidenschaften: Singen, Tanzen, Schauspielern. Mit der Ausbildung zur Musicaldarstellerin nahm ihre Kar-riere ihren Lauf. Bereits im 3. Studienjahr gewann sie den Bundesgesangswettbewerb in der Kategorie Musical und den Gisela May-Chansonpreis und wurde nach dem Abschlusskonzert im Berliner Friedrichstadtpalast vom Fleck weg engagiert – als Sally Bowles in „Cabaret“, die sie bis heute spielt. 

In den vergangenen zwei Jahren war Sophie Berner mit unterschiedlichen Produktionen unterwegs, von „I Wanna Be Loved“ als Marilyn Monroe bis hin zur Lara im Pop-Oratorium „Luther“. Ihre eigenen Konzerte führten sie schon bis nach Tel Aviv, Moskau und New York. Zur Zeit ist sie mit ihrem neuem Solo-Programm „Pure Imagination“ in der Bar jeder Vernunft zu Gast. Wir sprachen mit ihr über Castings, Druck, Glamour und über Berlin.

Frau Berner, seit über elf Jahren stehen Sie erfolgreich im Rampenlicht. Müssen Sie eigentlich noch zum Casting?

Aber ja. Castings sind ein zweiseitiges Ding. Natürlich wissen die Kreativ-Teams oder Theater oft schon vorher, was man alles kann. Aber es muss auch geprüft werden, ob die Chemie  stimmt und man gut zusammenarbeiten kann. Das gilt auch für mich.

Was halten Sie von Castingshows?

Das Schöne ist, dass so viele Leute singen oder andere Talente haben und das auch zeigen wollen. Was mir Sorgen bereitet, ist, wenn es darum geht, berühmt werden zu wollen. Das ist der falsche Ansatz. Denn die Realität auf dem Weg zum Erfolg sieht ganz anders aus. Große Stars haben über Jahre hart dafür gearbeitet. Ein Erfolg, der auf einer Castingshow beruht, ist mit sehr viel Druck und Medienrummel verbunden und verpufft meist sehr schnell wieder.  

Sie posten regelmäßig auf Facebook und auf Instagram. Wie wichtig sind Ihnen die sozialen Medien? 

Ich glaube nicht, dass mich schon viele Leute kennen. Dadurch, dass ich in verschiedenen Städten und auch international auftrete, ist mein Publikum doch sehr verteilt. Schon deshalb ist es mir wichtig, etwas über mich und meine Arbeit zu erzählen und dazu nutze ich auch diese Medien.

Ein Eintrag von Ihnen im Oktober fiel besonders auf: „Mutti, wir haben ein Konzert in New York!“ 

Meine Mutter begleitet mich schon die ganze Karriere hindurch sehr intensiv. Ich wollte unbedingt meine Freude mit ihr teilen. New York ist spannend. Die Stadt hat etwas von Berlin, ist aber nicht so gemütlich. Die Leute arbeiten sehr viel, um ihr Leben finanzieren zu können, und sind gleichzeitig oder vielleicht genau deshalb sehr kreativ.

Macht finanzieller Druck kreativ? 

Das hat erst mal nichts mit Geld zu tun. Wenn du ein kreativer Mensch bist, muss es raus, egal, ob arm oder reich. 

Verspüren Sie selbst Druck?

Ja, aber den mache ich mir selber. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nichts tun. Ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Energien man entwickeln kann.

In Ihrem neuen, dritten Solo--Pro-gramm „Pure Imagination“ geht- es Ihnen um den „Tanz der Gedanken“.  Was meinen Sie damit?

Wir alle haben Vorstellungen von dem, was wir hören oder sehen.  Aber was ist schon wahr? Welche Nachrichten, welches Geschehen in der Welt? Welche Vorstellung hatten Sie von mir, bevor Sie mich trafen? Und welche hatte ich? Was macht unsere Vorstellungskraft mit uns, mit unserer Liebe, mit unserem Leben. Darum geht es in meinem Programm und davon erzählen die Lieder, die ich interpretiere   – von Brel und Piaf über John Lennon bis hin zu Sara Bareilles.

Im Oktober war Premiere, hatten Sie Angst oder Lampenfieber?

Es gibt ein schöneres englisches Wort dafür: excited, was bedeutet, aufgeregt zu sein und gespannt. Und es war aufregend und schön, für mich, für meine Band und für mein Publikum. Ich bin wirklich sehr dankbar, das Glück zu haben, dass mich Leute auf der Bühne sehen wollen. 

Lieben Sie Glamour?

Ein bisschen schon. Meine Mutter ist Modedesignerin und mein Vater Fotograf, da ist auch immer ein bisschen Glamour dabei gewesen. Es kommt aber auf die Mischung an, eine Mischung aus alten Sachen und aus neuen, dazwischen ein bisschen Boheme, Glitzer und Klarheit.

Finden Sie, dass Berlin Glamour hat?

Berlin hat seinen ganz eigenen Glamour. Schon bei meinem ersten Besuch habe ich gewusst, dass ich hier leben will und das ist bis heute so geblieben. Immer, wenn ich unterwegs war und zurückkomme, ist dieses Prickeln da und ich freue mich. Das habe ich nirgend woanders so gespürt. Sicherlich liegt das am Großstadt-Feeling, aber auch an den unterschiedlichen Menschen, die hier zusammenkommen, und an der Weite der Stadt. Berlin hat den Schmutz genauso wie das Schöne. Es lässt einen so, wie man ist. Und Ruhe und Natur sind auch noch da.

Was ist Ihr Lieblingsort, an den Sie sich zurückziehen, wenn Sie auftanken wollen? 

Meine Badewanne. 

 

Danke für das Gespräch.

Barbara Sommerer

 

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