Sport aus Berlin

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 „Die WM im eigenen Land ist die Generalprobe für Olympia“

Handball ist die einzige Sommersportart, die ihre Weltmeisterschaft im Winter austrägt. Nicht am Ende, sondern mitten in der Saison. Ein Grund: Die Akteure sollen voll im Saft stehen und nicht nach Abschluss der Titelkämpfe noch einmal die letzten Kraftreserven mobilisieren müssen. Ein anderer: Die Zuschauer sind nicht übersättigt von den unzähligen Begegnungen in Meisterschaft, nationalem Pokal und den verschiedenen internationalen Wettbewerben und heiß auf die besten Nationalmannschaften.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Jahren ist Deutschland Gastgeber für die besten Männer-Teams der Welt und hat durch den Heim-Titelgewinn von 2007 sehr schöne Erinnerungen an ein solches Championat. Ein paar logistische Veränderungen zu damals gibt es aber. Seinerzeit fand nur eine einzige Begegnung in Berlin statt, dann zogen die Mannschaften quer durch die Nation bis zum Finalort nach Köln. Im Januar 2019 ist Deutschland nur einer der beiden Gastgeber, und das mit Spannung erwartete Endspiel findet auf Jütland im dänischen Herning statt. Dafür präsentiert sich jedoch in der Berliner Arena am Ostbahnhof eine ganze Vorrundengruppe – mit Deutschland als Favorit. Das Eröffnungsspiel bestreiten die Gastgeber am 10. Januar gegen die vereinigte koreanische Mannschaft.

Die Aufwertung Berlins ist begründet in der Entwicklung der Füchse. Der Verein werkelte vor zwölf Jahren noch in der Zweitklassigkeit des nationalen Handballs und wurde durch seinen damals erst 18 Monate im Amt befindlichen Macher Bob Hanning gerade erst ins Licht der Öffentlichkeit gezogen. Heute bestimmt die Mannschaft entscheidend mit das Geschehen in der Bundesliga, gewann zweimal den Welt- wie den Europapokal und einmal die nationale Trophäe. Aktuell war der Sturm auf den deutschen Meistertitel angesagt, der aber aufgrund einer Verletzungsmisere im Team verschoben werden muss.

Bob Hanning ist aber nicht nur Entscheider im Berliner, sondern auch im deutschen Handball. Unter der Ägide des Vize-Verbandspräsidenten wurde die Nationalmannschaft entstaubt und schon 2014 mit dem Ziel „Olympiasieg 2020“ neu sortiert. Der Europameistertitel 2015 kam wohl etwas verfrüht, aber ab jetzt sind keine Ausrutscher mehr erlaubt. „Die WM im eigenen Land ist die Generalprobe für Olympia“, hat Hanning dem von ihm ausgesuchten Bundestrainer Christian Prokop mit auf den Weg gegeben.

Ziel der Handballer ist es dabei, den umstrittenen Platz 2 aller Mannschaftssportarten hinter Fußball zu behaupten. Das betrifft sowohl die Publikumsgunst als auch die Aufmerksamkeit des Fernsehens. Von diesen beiden Komponenten hängt viel für die Entwicklung ab. Die Nationalmannschaft darf sich dabei im Januar keinen Patzer erlauben, denn dem Eishockey ist durch den Finaleinzug bei Olympia im vergangenen Februar ein enormer Aufschwung gelungen. Um auch Zuschauern außerhalb des Handballs die Sportart schmackhaft zu machen, ist man im Vorrundenort Berlin einen neuen Weg gegangen. Die prominenten Fußballstars Andreas „Zecke“ Neuendorf und Torsten Mattuschka wurden neben Handball-Ikone Stefan Kretzschmar als Botschafter für die WM gewonnen.

Hans-Christian Moritz

Information:

Die Vorrunde der Handball- WM 2019 mit deutscher Beteiligung findet in der Mercedes-Benz Arena Berlin statt. Am 10. Januar 2019 können Fans das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Korea live in Berlin erleben.

 

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