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Berliner Bühnen

Berlin ist bekannt für seine lebhafte Bühnen- und Unterhaltungsszene. Nicht nur die großen Häuser setzen dabei Maßstäbe. Auch in der kleinen Form haben zahlreiche Berliner Theater die gesamte deutschsprachige Kleinkunstszene nachhaltig geprägt. Vor allem in der Zeit nach der Wende wurden neue Formen etabliert und einige Neugründungen der Neunzigerjahre prägen die Bühnenlandschaft und den speziellen Sound der Stadt bis heute. Doch die ganz besondere Mischung aus hintergründiger Comedy, poetischem Variété, zeitgenössischem Chanson und glamouröser Show hat auch längst schon in anderen Städten ihre Fans gefunden. Einige besonders beliebte Beispiele für die typische Berliner Mischung aus Unterhaltung, Poesie, Spektakel und Augenzwinkern – die man fast immer an gemütlichen Tischchen genießt – stellen wir hier vor.

 

Wilde Artistik im Chamäleon


Chamäleon Theater in den Hackeschen Höfen [Foto: Andy Phillipson]

„Neuer Zirkus“, was ist das nochmal genau? Eine Entwicklung in der modernen Artistik, die immer noch das Publikum fassungslos darüber machen will, was Zirkuskünstler allein durch Körperbeherrschung, Eleganz, Wagemut und Originalität an unglaublich erscheinenden Kunststücken vollbringen können. Doch anders als der traditionelle Zirkus setzt die moderne Form weniger auf die klassische Abfolge einzeln dargebotener Kunststücke und herkömmlicher Ästhetik. Stattdessen will sie mit den Mitteln der Artistik Geschichten erzählen. Weniger Clowns, mehr Poesie könnte das Motto sein. Auf diese moderne Form der Bühnenkunst baut das legendäre Chamäleon Theater in den Hackeschen Höfen inzwischen seit ein paar Jahren und setzt auch damit wieder Maßstäbe.

Freiheit ohne Vergleich

[Foto: Edgar Nemschok]

Parkour ist boomender Trend in Berlin. Bis zu 6 000 halten sich auf diese Art unter freiem Himmel in Bewegung

Der Skoda-Kombi mit dem Kennzeichen aus dem Landkreis Barnim fährt plötzlich langsamer, kommt kurz darauf zum Stehen. Der Fahrer schaut fasziniert durch seine Windschutzscheibe, wie im Parkhaus nahe dem Berliner Gesundbrunnen-Center ein junger Mann eine Betonsäule erklimmen will.

In Berlin schmeckt’s

Konsequent durchkomponierten Cocktails in Prenzlauer Berg [Foto: Holger Geissler © Becketts Kopf]

Vom Eckimbiss bis zum gestärkten weißen Tischtuch – in Berlin kann man es sich an immer neuen Orten schmecken lassen, und es gibt kaum einen Winkel, wo sich nicht die eine oder andere manchmal auch ungewohnte Köstlichkeit entdecken ließe. Unsere Autorin Susann Sitzler ist schon einmal vorgegangen.

Modeschmuck – ein Gelächter aus Farbe, Pracht und ordentlich Bling-bling

1) Yves Saint Laurent, rot-orange emailliertes Collier mit passenden Ohrclips, 1980er Jahre, Privatsammlung Gisela Wiegert 2 ) Coco Chanel, Collier aus dunkelroten Glassteinen in quadratischen Fassungen und Perlfransen, 1960er Jahre, Privatsammlung Gisela Wiegert 3 ) Moschino, Mehrreihiges Perlcollier mit roten Glasherzchen und Perlfransen, 1990er Jahre, Privatsammlung Gisela Wiegert 4) Miriam Haskell, Armreif, Brosche, Ohrclips, 1940–1950. Privatsammlung Gisela Wiegert 5) Christian Dior, Collier mit zwei Paar passenden Ohrclips, Hersteller: Henkel & Grosse, 1977, Privatsammlung Gisela Wiegert 6) Christian Dior, Collier aus Neusilber und Glassteinen in Vulkanoblau, Hersteller: Henkel & Grosse, 1962, Privatsammlung Gisela Wiegert [Fotos: ©Hartmut Springer, Gronau]

Räumen wir zuerst mit dem Missverständnis auf: Modeschmuck ist weder minderwertiger Tand noch nachgemachtes Geklunker. Sondern eine eigenständige, anspruchsvolle Gattung der Modeaccessoires. Zwar sind die Materialien nicht edel wie bei Echtschmuck. Doch zumindest in den frühen Jahren war auch „costume jewelry“ – Kostümschmuck, wie er auf Englisch heißt – geprägt von handwerklicher Sorgfalt, gestalterischer Originalität und häufig sogar von außerordentlichem Witz: die arme und doch lebenssprühende Cousine des echten Schmucks. Ihre Geschichte erzählt jetzt die Ausstellung „Bijoux Bijoux!“ im Kunstgewerbemuseum.